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Am 12. Juni 2019 war einiges anders als vor 20 Jahren. Dieses Jahr schien die Sonne – im  Gegensatz zu 1999, als sich in strömendem Regen eine riesige Warteschlange vorm Museum Kirche zum Hl. Kreuz bis zum Klienebergerplatz bildete.

Das Große Zittauer Fastentuch wurde an jenem Tag zum ersten Mal in der eigens dafür aufwändig sanierten Kreuzkirche der Öffentlichkeit präsentiert. Schachbrettartig erzählt es in 90 Bildern die biblische Geschichte von der Erschaffung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht. Mit 6,80 m Breite und 8,20 m Höhe gehört es zu den größten und ältesten weltweit. In Deutschland ist es das einzige seiner Art. Diese riesige Bilderbibel, 1472 von einem unbekannten Meister geschaffen, verhüllte in der vorösterlichen Fastenzeit 200 Jahre lang den Altarraum in der Zittauer Hauptkirche St. Johannis. Danach lange Zeit verschollen, wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts hinter einem Bücherregal der Ratsbibliothek gefunden und gelangte 1840 in die Zittauer Sammlungen.

1842-1876 hing es in Dresden, im Palais im Großen Garten. Nach dem 2. Weltkrieg im Mai/Juni 1945 konnte es stark beschädigt, aber komplett erhalten geborgen werden. 1994/95 wurde es von der Abegg-Stiftung (Schweiz) als „Kunstwerk von Weltgeltung“ restauriert und zog bisher mehr als eine halbe Million Touristen nach Zittau. So ist die zwanzigjährige Erfolgsgeschichte des Museum Kirche zum Heiligen Kreuz auch ein gutes Argument für die Bewerbung Zittaus als Kulturhauptstadt Europas 2025.

Das 20-jährige Jubiläum wird am 13. und 14. September mit einer Festveranstaltung sowie einer Konferenz begangen. Angesichts des großen Engagements und der guten Erfahrungen unserer Stadt bei der Sanierung und Umnutzung der Kreuz- und der Klosterkirche steht sie unter dem Motto „Probleme und neue Wege bei der Nutzung von Kirchenräumen“. Neben Beiträgen aus der Region (Zittau, Görlitz und Kamenz) haben sich Referenten aus Dresden, Leipzig, Berlin, Frankfurt (Oder), Lübeck, Prenzlau und Bochum angemeldet.

Am Abend des 13. September ist ein festliches Gesprächskonzert vor dem Großen Zittauer Fastentuch geplant. Sprechen werden Oberbürgermeister Thomas Zenker sowie die Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Katja Margarethe Mieth. Es erklingen die Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach, dargeboten von Reka Szabo, Ireneusz Rapak und Leon Szostakowski von der Kreismusikschule Dreiländereck.

Im Anschluss (ab 20:30 Uhr) findet am Freitag ein kleines Straßenfest auf der Frauenstraße statt. In diesem Rahmen werden bis in die Nacht kostenlose Führungen im Museum und über den nächtlichen Kreuzkirchhof angeboten. Für das leibliche Wohl sorgt die Fleischerei Engemann.

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