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Drei-Länder-Filmpreis für “Das melancholische Mädchen” Deutscher Spielfilm gewinnt Hauptpreis beim 16. Neiße Filmfestival

Großhennersdorf/Zgorzelec,

Am Sonntag geht im Dreiländereck an der Neiße das 16. Neiße Filmfestival zu Ende. Das trinationale Filmfest präsentierte in diesem Jahr rund 120 Filme in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm u.a. mit Ausstellungen, Workshops und Komzerten an 20 Spielorten in Deutschland, Polen und Tschechien. Bereits am Samstagabend wurden im Miejski Dom Kultury im polnischen Zgorzelec bei der Preisverleihung die Neiße-Fische, die vom Strahwalder Künstler Andreas Kupfer gestalteten Preisskulpturen des Festivals, vergeben.

Der mit 10.000 Euro dotierte Drei-Länder-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm, der vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gestiftet wurde, ging an die deutsche Produktion “Das melancholische Mädchen” von Susanne Heinrich. Die Jury mit dem deutschen Schauspieler, Autor und Regisseur Thomas Wendrich, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin Diana Dąbrowska aus Polen und der tschechischen Filmproduzentin Jana Cisar musste sich im Wettbewerb zwischen je drei Spielfilmen aus Deutschland, Polen und Tschechien entscheiden. “Atemlos inspirierend taucht man mit dem Satz ‘Ich bin unglücklich, damit Leute wie du glücklich sein können.’ in die Welt eines melancholischen Mädchens ein. Humorvoll zielt die Regisseurin dieses bezaubernden wie klugen Films auf die Paradoxe unserer modernen Welt. Sie zeigt uns in locker und leichtem Ton und unter Verwendung sämtlicher feministischer Theorien wie konservativ und unfrei wir sind in unseren Käfigen aus Konventionen. ‚Das melancholische Mädchen‘ ist ein politischer Film im Sinne der Kunst, die unser Verlangen nach dem Verlassen dieser Käfige spiegelt.”, so die Juroren in ihrer Begründung.

Den von der Sächsischen Zeitung gestifteten Preis für die beste darstellerische Leistung erhielt Jacek Braciak für seine Rolle in „Córka trenera” von Łukasz Grzegorzek. Darin spielt Braciak den Vater ein hoffnungsvolles Tennistalents, der gemeinsam mit seiner Tochter und ihrem Trainer von Turnier zu Turnier durch die Sommerhitze der polnischen Provinz reist.

Den Preis für das beste Szenenbild, gestiftet von der Stadt Görlitz, vergab die Jury an Jagna Dobesz für ihre Arbeit an der polnisch-tschechisch-schwedische Produktion “Fuga” (Flucht) von Agnieszka Smoczyńska. Der erstmals verliehene Neiße-Fisch für das beste Drehbuch, gestiftet vom Liberecký kraj, ging an Gabriela Muskały ebenfalls für ihre Arbeit an “Fuga” (Flucht) von Agnieszka Smoczyńska. Eine lobende Erwähnung gab es im Spielfilmwettbewerb für “Frau Stern” von Anatol Schuster.

Bester Dokumentarfilm: “Miłość bezwarunkowa” (Bedingungslose Liebe) von Rafał Łysak (PL)

“Miłość bezwarunkowa” (Bedingungslose Liebe) von Rafał Łysak erhielt den von der Stadt Zittau gestifteten Preis für den besten Dokumentarfilm. Die Jury – die polnische Produzentin Marta Golba, Zdeněk Blaha vom tschechischen Dokumentarfilminstitut (Institut dokumentárního filmu, IDF) und der deutsche Dokumentarfilmer Philipp Diettrich – hob in ihrer Begründung hervor: Der Film beginnt mit der Aufzählung dessen, was vermeintlich alles nicht stimmt mit unseren Protagonisten und der Ahnung, dass uns Ärzte nicht weiterhelfen werden. Im Umgang miteinander ein Unding, so vorgestellt zu werden, für diesen Film entpuppt es sich als eine von vielen sensiblen Gesten. In einer sehr klugen Dramaturgie nähern sich die Rafael Lysak und seine Mutter Teresa dialogisch ihrem Inneren, ihrer Einsamkeit im Alter und seiner drohenden Kinderlosigkeit, wenn er sich nicht bald einer Frau zuwenden werde. Gemeint ist damit immer wieder seine Sexualität, um die sich die Gedanken von Teresa drehen, aber eben nicht der Film. Türen knallen, Tränen werden vergossen, böse Worte gesprochen, Konflikt überall. Der Film vermisst dieses Ringen zwischen den beiden und erläutert uns den Titel des Films: Bedingungslose Liebe. 

Eine lobende Erwähnung gab es im Dokumentarfilmwettbewerb für “Jazda obowiązkowa” (Pflichtfiguren) von Ewa Kochańska.

Bester Kurzfilm: “Siostry” (Schwestern) von Michał Hytroś (PL)

Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt “Siostry” (Schwestern)von Michał Hytroś, ein laut erzählter Film über die Stille. Darin stellen Nonnen stellen ihre Welt hinter den Klostermauern vor. Sie zeigen uns ihr Leben ohne Stereotypen, oft berührend und amüsant zugleich. Über den vom Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz gestifteten Preis entschieden die Schweizer Regisseurin Sophia Bösch, Master-Studentin an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, die aus Georgien stammende und in Prag lebende Regisseurin, Fotografin und Produktionsdesignerin Nina Zardalishvili und Marcin Lesisz, Präsident und Gründer des Uisel Studios Lubińska Grupa Filmowa. In der Begründung der Jury heißt es: “Wir würden gerne einen Film ehren, der aus vielerlei Hinsicht für uns herausragend war: er hat uns zum Lachen gebracht, er hat uns mit seiner sanften und ehrlichen Annäherung an eine Welt, die für die meisten von uns verborgen ist, beeindruckt, und er bewegte uns mit seiner tiefen Liebe für die Menschen, die er porträtiert. “Siostry” ist ein tief menschliches Portrait des Lebens, der Liebe, Einsamkeit und Gemeinschaft.“

Spezialpreis des Filmverbandes Sachsen für “Honza má pech” (Hans im Pech) von Rena Dumont (CZ/DE)

Der Spezialpreis des Filmverband Sachsen wird jährlich an einen Film vergeben, der sich mit Respekt und Toleranz anderen Kulturen nähert und einen Weg zum Dialog bereitet. Der tschechisch-deutsch Spielfilm “Honza má pech” (Hans im Pech) von Rena Dumont erfüllte nach Meinung der Jury – Marta Trzeciak, Kulturmanagerin und Pädagogin aus Polen, Martin Musílek, Intendant des Theaters Varnsdorf, und Jana Endruschat, Geschäftsführerin des Filmverband Sachsen – diese Kriterien. “Mit vielen Vorurteilen im Gepäck begibt sich Hans in diesem überzeichneten Roadmovie auf eine turbulente Reise. Auf amüsante Weise skizziert Rena Dumont anhand dieser wahren Begebenheit ihres eigenen Großvaters die prägenden Nachkriegsjahre und die damit gemeinsame Geschichte der beiden Länder und Menschen. Am Ende der Geschichte steht der Dialog trotz Sprachbarrieren und Vorurteilen.  Hans findet in der mährischen Provinz nicht nur eine Frau fürs Herz, sondern auch endlich ein Leben voller Glück.“, so die Begründung der Jury.

Ehrenpreis für Jan Nowicki

Der Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals wurde in diesem Jahr an den polnischen Schauspieler Jan Nowicki vergeben. Nowicki zählt zu den großen Mimen der europäischen Filmlandschaft und spielte bis heute in über 240 Filmen mit. ein Filmdebüt gab er 1965 in Andrzej Wajdas Klassikerverfilmung “Legionäre” (Popioły). Anschließend spielte er unter weiteren Regie-Größen wie Aleksander Ford, Jerzy Hoffmann, Jerzy Skolimowski oder Krzysztof Zanussi. 1973 brillierte er als Josef im Cannes-prämierten “Das Sanatorium zur Todesanzeige” unter der Regie von Wojciech Has. Liiert mit der ungarischen Filmregisseurin Márta Mészáros, wirkte er auch oft in ihren Filmen mit. 1988 engagierte ihn die DEFA-Regisseurin Iris Gusner für ihre Komödie “Ich liebe dich – April! April!”. Einen seiner letzten Filmauftritte gab er in Skolimowski’s “11 Minuten“.

Publikumspreis gehen nach Tschechien und Deutschland

Auch die Meinung des Publikums war gefragt: Der Publikumspreis für den besten Langfilm im Programm des 16. Neiße Filmfestivals ging an den tschechischen Spielfilm “Chata na prodej” (Wochenendhaus zu verkaufen) von Tomáš Pavlíček, beliebtester Kurzfilm wurde die deutsche Produktion “Die letzten fünf Minuten der Welt” von Jürgen Heimüller.

Das nächste Neiße Filmfestival findet vom 26. bis 31. Mai 2020 statt.
Aktuelle Informationen und Impressionen gibt es online unter www.neissefilmfestival.net


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